An epic drama of adventure and exploration

Rain Man und die Wirklichkeit

13. Juni 2017

Es gibt kaum einen Menschen, der nicht bei Autismus sofort an den Rain Man denkt. Raymond Babbit hat sich dermaßen in die Gehirne festgebrannt, das er bei vielen Nichtautisten als der Prototyp eines Autisten gilt.

Welcher Autist hat sich nicht schon einmal rechtfertigen müssen, er sei kein echter Autist s, da man dieses Klischee nicht erfüllt. Und was sei eigentlich die vorherrschende Begabung? Was kann man besonders gut?
Diese Gedanken in den Köpfen sind schädlich. Sie gaukeln ein falsches Bild der Behinderung vor. Denn der Grad der Behinderung verblasst in den Köpfen vor der Behinderung des Rain Man. Diese Abwertung der Alltagsprobleme ist ist für die Betroffenen ein Hohn.
Im Twitterservice hat ein Autist folgende Rechnung aufgemacht:
Raymond Babbit hat ein ausgeprägte Begabung, er ist ein Savant. Schätzungen zufolge leben zur Zeit 100 Savant, von denen 50 autistisch sind.
Der Anteil von Autisten an der Menschheit beträgt ein Prozent, dies sind also 70.000.000 Menschen. Daraus kann man schließen das nur 0,000071 Prozent aller Betroffenen Savant sind.
Wie kommt es das sich ein Film, der 1988 in die Kinos kam, sich so gefestigt hat? Er ist gut gedreht, die namhaften Schauspieler verkörpern ihren Charakter sehr gut. Er ist sehr aufwühlend und gerade deshalb wird er immer und immer wieder als Beispiel angeführt. Kaum ein Zeitungsartikel, der nicht Rain Man erwähnt, kaum einen für die Masse gedachter Filmbeitrag zeigt keine Ausschnitte.
Wissenschaftlich untersucht ist das Phänomen der Wiederholung: Viele Beiträge sagen zwar, Rain Man ist fiktional. Aber alleine die Erwähnung festigt das Bild, trotz der Aussage.
So ist es auch mit den anderen Stereotypen über die Behinderung. Werden diese ständig wiederholt, dann werden diese programmiert. Der Vorwurf des Autismus in Diskussionen Synonym zu Augenverschließen und Untätigkeit von Nichtautisten tut ein weiteres. Von der Verwendung im Sprachgebrauch als Schimpfwort ganz zu schweigen.
Kann man das vielleicht mit einem nicht-existierenden Film vergleichen, in dem ein blinder Mensch die Hauptrolle spielt, der aufgrund seiner Körperkontrolle jeden Artisten beim Jonglieren in den Schatten stellt? Kann dann jeder blinde Mensch in den Köpfen im Zirkus einen Job finden?
Wenn man nun sich die Mühe macht mal nach dem echten Rain Man im Internet zu forschen, so trifft man auf das Vorbild Babbits Laurence Kim Peek, gestorben 2009.
Peek ist mit einer Hirnbehinderung geboren, seine Hirnhälften hatten kaum Verbindungen und er war ein Savant. Was er nicht war, er war kein Autist.

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